Norden.

(Aufzeichnungen aus ɛɴʼcøːpiŋ)

Sie riecht nach Nelken und heißt Tindra. Ein Kunstwerk. Man hat allen Staub von ihr weggepinselt, alles Unwirkliche abgemeißelt. Was bleibt ist die Venus von Milo. ——

Sie ist der blassrosa Traum, der nachts in die Betten der Männer steigt- die zartbittere Ahnung, die morgens durch die Herzen der Frauen flüstert- die blutrote Axt, die mittags das Eis in den Gemütern der Sterblichen zerschlägt. ——

Am Tag ihrer Ermordung stiegen Najaden am Ufer empor. Gläserne Tränen glänzten auf ihren Wangen. Entsetzliches Geheul würgte Männer und Frauen, bis dass der Sturm ihre Totenlieder ertränkte. ——-

Doch die Scherben ihrer Tränen drangen in die Träume der Männer und durchbohrten die Herzen der Frauen. Blut sickerte aus allen Ritzen und Gräben. Und stillschweigend übersah man die dickflüssigen Gerinnsel in den Straßenrinnen. Niemand wagte ein Zeichen- man fürchte sich vor dem, der das letzte Wort behält. —–

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