La vita non gioca mai

Er lag im Bett und wollte sterben. Einfach so – ohne grosses Rumgetue oder Dramaturgie. Er überlegte sich auf verschiedene Arten, wie er am einfachsten und effizientesten sterben könnte – ausrutschen und sich das Genick brechen, vom Auto überfahren werden, eine Frau vor einer Vergewaltigung retten und dabei vom Attentäter abgestochen werden. Aber sein ganz persönlicher Favorit war auf der Toilette einen Herzinfarkt erleiden. Dann erledigt sich die ganze Sauerei von alleine. Alles valide Optionen, dachte er, als er in seinem Bett lag mit der dünnen Sommerdecke über seinem Körper, während draussen der Schnee in dichten Flocken vom Himmel schwebte.

Als der Wecker dann anfing zu scheppern, verstoben die Gedanken an den Tod wie Strassenstaub einer Landstrasse im Frühling, wenn ein dunkles Auto zu schnell darüber fährt. Er stieg aus dem Bett. Einem Anzug aus dem Schrank fügte er eine dunkelblaue Krawatte und ein hellblaues Hemd hinzu und zog sich langsam an, mit überlegten Handgriffen und zusammengekniffenem Mund. Er ging aus dem Zimmer in die Küche. Dort trank er seinen Kaffee, schwarz, und ass müde sein Müsli mit Natureyoghurt. Als er fertig war schlurfte er mit schweren Beinen ins Badezimmer, putze sich die Zähne mit dem letzten Rest der Zahnpasta und rasierte sich mit einem bereits gebrauchten Einweg-Rasierer.

Pünktlich wie jeden Tag ging er dann aus dem Haus, zur Bushaltestelle und rauchte eine Zigarette. Er schenkte dem Rauch keine Beachtung, wie er sich dünn, fast grazil, zwischen die weissen Flocken wob und sich mit dem Dunst seiner Atmung zusammenschloss. Als der Bus dann kam, warf er sich auf die Strasse ohne die Zigarette vorher auszudrücken.

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