Sonntagmorgen, mit Kaffee

Eine Szene, wie im Film. Einsam sitze ich in der Wohnung. Wachgeworden, da der Luftmatratze die Luft ausgegangen war und unfähig wieder einzunicken, da der Boden einfach zu hart ist. Dazu fröstle ich immer noch ein wenig, weil ich die Nacht ohne Decke verbracht hatte. Notdürftig deckte ich mich mit meiner zu dünnen Jacke zu, aber morgens um halb vier schlafe ich auch, wenn es eiskalt ist.

Nun pfeifen draussen bereits die Vögel, eröffnen den Tag mit einer Fröhlichkeit, die meinen Kater sogar etwas zu lindern vermag. Langsam versinke ich im schwarzen Ledersessel und schaue mich in der Wohnung um. Sie ist ziemlich geräumig, bietet für eine Person genügend Platz. Zu meinen Füssen breitet sich eine leise schnarchende Gestalt aus, eingehüllt in schmuddelige Decken. Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Sofa an der Wand. Ein Büschel langer, schwarzer Haare entwächst dem Durcheinander aus Kissen und Tüchern.
Der kleine Glastisch davor ist übersät mit Koffein und Alkohol. Oder er war es zumindest einmal, vor ein paar Stunden, doch nun ist das Meiste bereits ausgetrunken. Ein voller Aschenbecher rundet das Bild der vergangenen Nacht ab. Ich fühle mich in diesem Moment so verdammt schal wie der Rest einer halbleeren Bierflasche. Der Versuch, aus dem Sessel zu kommen, scheitert kläglich.
Zu meiner Linken baut sich ein hohes Regal auf. Es ist vollgestopft mit CDs, Büchern, Magazinen und anderem Krempel, den man in Regalen eben findet. Wie die Limited Edition von „Legend of the Lost“. Zuoberst thronen sogar ein paar ausgestopfte Vögel. Alles ein wenig angestaubt. Man sieht, dass hier ein Mann haust, würde wohl eine Frau meinen und ich muss bei dem Gedanken leicht grinsen.

Der Glatzkopf vor mir auf dem Boden ist der Drummer. Der Bass schläft auf dem Sofa. Das Stoffbündel mit den Haaren bewegt sich kaum merklich auf und ab und ich gehe davon aus, dass er unter all dem Stoff noch nicht erstickt ist. In den Nebenzimmern schlafen zwei weitere Personen: Zum einen ein Gitarrist, zum anderen mein Kumpel, der das Konzert gestern organisiert hatte.
Der Abend war ziemlich aufregend, aber nach drei verschiedenen Bands war ich einfach nur geschafft. Musste halt warten, bis alles aufgeräumt war. Als Veranstalter konnte mein Kumpel natürlich nicht einfach abhauen. Wenigstens liessen sie mich in den Backstage und konnte mich an den Gratisgetränken bedienen. Einer der vielen Vorteile, wenn man die richtigen Leute kennt. Ansonsten bestehen Backstage-Bereich vor allem aus Legenden und Langeweile. Kombiniert mit schlechtem Essen, ist das eine echt enttäuschende Mischung.

Der Sänger und ein weiterer Gitarrist wurden am anderen Ende der Stadt untergebracht. Die pennen auch noch, wahrscheinlich. Ich unternehme einen weiteren Versuch, aufzustehen. Erfolgreich. Mit übertriebenem Stolz über meine morgendlichen Anstrengungen schlurfe ich in die Küche und setze Wasser auf. Mein Kumpel hat einer dieser praktischen Wasserkocher, die man bloss einstecken braucht und nach wenigen Minuten kocht das Wasser. Auf der Ablage erspähe ich eine Dose mit billigem Kaffeepulver. Besser als nichts. Ich kippe ein paar Löffel in die dampfende Tasse und rührte gedankenverloren ein paarmal um. Ordentlich Zucker rein, das gibt Energie. Zudem kann man die Brühe sonst nicht mal ansatzweise geniessen.
Mit verklebten Augen und schwerem Schädel torkle ich schlaftrunken Richtung Balkon. Gegen das Geländer lehnend, schlürfe ich das Gebräu. Viel zu wässrig. Ich klaube eine Lucky Strike aus der Hosentasche und zünde sie an. Der blaue Dunst tanzt durch die kühle Morgenluft. Fast werde ich melancholisch, wie ich den warmen Rauch einsauge und schlechten Kaffee schlürfe. Der Bassist schleicht – ähnlich zerrüttet wie ich – in meine Richtung. Keine Worte, nur ein kurzes Nicken. Ich halte ihm die Tasse hin, worauf er sich schnell ein, zwei Schlücke die Kehle runterstürzt. Auch er zündet sich eine Zigarette an. Live fast, die young. Schweigend stehen wir da, lauschen der erwachenden Welt und versuchen angestrengt, an nichts zu denken.

Was für ein Moment. Ich bin der John Wayne der Stadt,  Ein Sonntagmorgen mit Kaffee und Nikotin, die Sonne über den alten Industriekomplexen. Wie im Film.

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